kfz-betrieb Digital Automotive Days 2019 – Recap

Im Würzburger Convention Center von Vogel Medien fanden am 4. und 5.6.2019 zum ersten Mal die Digital Automotive Days in Würzburg statt. Das Motto lautete “kfz-betrieb macht Sie zum Digitalprofi”.

Auf Einladung des kfz-betrieb-Redakteurs Martin Achter machte ich mich auf den Weg nach Würzburg zu den ersten Digital Automotive Days. Leider konnte ich die Verleihung des Internet Sales Awards am Vorabend der Veranstaltung nicht miterleben. Mehr zu der Verleihung im Bericht des kfz-betriebs.

Der Mittwoch war vollgepakt mit Vorträgen im Hauptraum des Convention Center und sogenannten Kompetenzinseln, bei denen im Workshop-Format für eine Stunde lang unterschiedliche Themen beleuchtet wurden. Dazu später mehr.

Die Veranstaltung wurde von verschiedenen Ausstellern unterstützt und gesponsort. Rund 30 Aussteller habe ich mit ihren Ständen in der Nebenhalle gezählt. Schon beeindruckend, wie viele Firmen und Dienstleister sich mit der Digitalisierung im Autohandel beschäftigen. Und ein tolle Gelegenheit, neue Firmen im digitalen Automotive-Umfeld kennenzulernen, neue Menschen beim Netzwerken zu treffen, aber auch um altbekannte Gesichter aus der Branche (wieder)zutreffen.

Die Vorträge und Keynotes

Wolfgang Michel, der Chefredakteuer des kfz-betrieb, eröffnete den Tag mit einer kurzen Begrüßung. Den ersten Redebeitrag hatte Florian Nöll, Vorsitzender des Vorstands Bundesverband Deutsche Startups e.V. Er ging darauf ein, was digitale Transformation allgemein und im speziellen für die Automobil-Branche bedeutet. Seine Hauptthese:

   „DAX-Vorstände sind der Club der Digitalisierungsverlierer”

Spannend ging es weiter mit dem Vortrag von Dennis Morgenstern, verantwortlich bei Google Deutschland für das Automobilgeschäft. Seine Kernaussage, die alle Branchen und eben auch die Autobranche beeinflusst:

   “Die Nutzer sind heute neugierig, ungeduldig und anspruchsvoll.”

Er führte ein Gespräch vor, das ein Sprachassistent selbständig mit einem Friseur führte, auch ein denkbares Szenario für die Automobilbranche. Aus dem Plenum kam die Bestätigung – für eine Reifenwechselaktion kam bei der Terminvereinbarung ein Sprachassistent zum Einsatz.

Anschließend erlaubte Christian Ritter, Geschäftsführer der Torpedo Gruppe im Raum Kaiserslautern, einen Einblick in die IT-Welt des Mehrmarkenhändlers. Interessant zu sehen, wie viele Programme und Schnittstellen im Rahmen der Digitalisierung des Händlers miteinander kommunizieren müssen. Er ermunterte die Autohändler, bei der Digitalisierung mutiger zu werden und sie für den Erfolg des Unternehmens zu nutzen.

Am Nachmittag gaben zwei OEMs Einblicke in das, was sie im Bereich Digitalisierung planen und welche Projekte bereits jetzt schon umgesetzt werden. Bei den letzten beiden Vorträgen war der Saal im Convention Center wieder gut gefüllt – anscheinend wurden die Beiträge von den Automobilherstellern mit Spannung erwartet.

Den Anfang machte Porsche, Stefan Bröer und Jan Meinel berichteten über die Digitalisierung des Aftersales beim Hersteller. Die Frage sollte beantwortet werden, mit welchen Instrumenten und Systemlösungen Porsche die Kunden bei der “Digital Service Journey” begleitet. Im Fokus von Porsche steht laut Hr. Bröer “Der personalisierte Kunde”. Bei der Unterstützung des Werkstattpersonals in den Vertragswerkstätten setzt man auf Augmented Reality. Hr. Meinel demonstrierte, wie die Kamera eines iPads und spezielle Software ein Bauteil eines Porsche-Fahrzeuges (hier ein Lenkrad) erkennt und dem Mechaniker virtuell den Aufbau des Teils und die Möglichkeiten zur Reparatur aufzeigt.

Zum Abschluss sprach Martin Wallenborn, Leiter Business Development Vertrieb bei Audi Deutschland darüber, wie Audi den Direktvertrieb von Autos in Zukunft gestalten will. Wichtig war ihm, dass der Hersteller den Handel dabei nicht übergehen will, sondern dass man auch beim Direktvertrieb von Automobilen zusammenarbeiten möchte. Dies wird in der Branche derzeit sicher kontrovers gesehen und diskutiert.

Den ersten Test in punkto Direktvertrieb startet Audi aktuell mit dem Direktverkauf von 99 Audit TT-Fahrzeugen. Der gesamte Verkaufsprozess ist im Internet abgebildet. Dies soll laut Wallenborn aber nicht die letzte Verkaufsaktion im Netz bleiben. Weitere sollen folgen, auch im Service. Mittelfristig will Audi alle Geschäftsbereiche digitalisieren. Man testet dabei unterschiedliche Modelle, etwa auch eine Zusammenarbeit mit Sixt.

Spannend bleibt zu beobachten, welche Rolle dabei dem stationären Handel zukommen wird.

Kompetenzinseln / Workshops

Nach einer Pause ging es mit den bereits erwähnten Kompetenzinseln weiter, die als Workshops in kleineren Räume stattfanden. Die Themen:

  • Die ideale Website
  • Predictive Maintenance
  • E-Shop Systeme
  • Digitale Kundenportale.

Da ich einen kurzen Diskussionsbeitrag im Workshop zur idealen Website hatte, konnte ich nur diesen Part besuchen und nichts zu den anderen Kompetenzinseln berichten (die Berichterstattung findet sich auf der Website der Digital Automotive Days).

Die ideale Website

Der Workshop wurde von Martin Achter, Redakteur beim kfz-betrieb, moderiert. Zunächst ging es darum, die Unterschiede zwischen den Händler-Seiten über die Baukästen der OEMs und individuell auf den Händler zugeschnittenen Website herauszuarbeiten. Eine eigene Website lässt das Autohaus in erster Linie unabhängiger werden von den Herstellern.

Welche Punkte sind bei einer Händler-Website elementar?

  • Zunächst sollte die Seite mittels SEO/SEA gut im Netz auffindbar gemacht werden.
  • Die Seite sollte relevante Informationen für den Kunden enthalten, d.h. er soll das finden was er auch sucht – Fahrzeuge und Informationen zum Service.
  • Die Website muss lead-orientiert sein und genügend Kontaktmöglichkeiten bieten, damit der Kunde, wenn er gefunden hat, was er gesucht hat, auch mit dem Autohaus kommunizieren kann.
  • Eine leichte Bedienbarkeit und ansprechendes Design sind schon fast Selbstverständlichkeiten.
  • Die Websites sollten konvertieren, also Besucher der Seite zu Kunden machen.

Für Olaf Dicker von 5w50, der Händlerwebsites individuell aufbaut, müssen auf Autohaus-Seiten immer die Bereiche Verkauf, Ankauf, Werkstatt und HR (Karriere, Personal) zu finden sein. Elemente wie “Über uns” und die Firmenhistorie sollten auch vorhanden sein, werden aber nur selten von den Nutzern angeklickt.

Für Jim Meininghaus von MotorK ist gerade die Unabhängigkeit des Autohaus vom Hertsteller beim Betreiben einer eigenen Seite der entscheidende Punkt.

Gezeigt wurde exemplarisch die Website von Autohaus Lauenburg, über deren Entwicklung der GF des Betriebes, Marco Hegenbart, berichtete. Die Seite bildet das ab, was das Autohaus wirklich zu bieten hat und geht weg von einer relativ überladen wirkenden OEM-Website.

Aus meiner eigenen Sicht kann ein Autohaus, das mit seiner Website diese wesentlichen Anforderungen erfüllt, über einen nächsten Schritt nachdenken: Die Einführung von interaktiven Elementen wie Chat-Möglichkeiten oder die Einführung eines Kundenportals auf der Website. Voraussetzung dabei sind immer geeignete Prozesse und gut geschultes Personal im Hintergrund, damit diese Elemente auch erfolgreich genutzt werden können.

Digital Automotive Days 2020?

Wie man auf der Website der Veranstaltung bereits kurz nach deren Ende sehen konnte, ist eine Wiederholung im nächsten Jahr geplant.

Nachdem ich bei den ersten Digital Automotive Days dabei war, im nächsten Jahr sicher ein Muss – da ich vom zusammengestellten Programm und den vielen Gesprächen mit Ausstellern sehr begeistert war und bin!

Ich bin schon gespannt, wie sich die Branche bis dahin (weiter-)entwickelt hat.

Expansion und Zusammenwachsen digitaler Ökosysteme

Im Zuge der mobilen Revolution ist es für viele zur selbstverständlichen Normalität geworden, gleich bei einer ganzen Reihe von Online-Portalen und -Plattformen dauerhaft angemeldet zu sein, die das Erwerben von Waren und Dienstleistungen einfacher als je zuvor machen. Die Schnittstelle für diese Portale führen wir stets in Gestalt eines miniaturisierten Computers mit uns, der besser bekannt ist unter dem Namen Smartphone.

Genau das macht das Wesen der mobilen Revolution aus. Ein Handy hatte man schon im Jahr 2004. Aber wenn man etwas online einkaufen wollte und ohne dafür die eigene Wohnung zu verlassen, stand zunächst das Hochfahren des PCs an. Womöglich musste man sich sogar noch per Modem oder ISDN einwählen, bevor man im Internet surfen konnte.

Die Rasanz des digitalen Fortschritts lässt uns heute ein solches Szenario regelrecht antiquiert erscheinen, obwohl nur 15 Jahre dazwischen liegen.

Selbst wenn man sich jedesmal für eine Transaktion eigens einloggt, ist man vom Smartphone oder Tablet aus immer noch deutlich schneller, als im beschriebenen Szenario. Hinzu kommt, dass man bei Portalen wie Amazon, Facebook, Netflix, Zalando, Airbnb und all den anderen per App ohnehin permanent angemeldet bleibt. Das erlaubt es den Anbietern, seine Kunden und Nutzer laufend über Neuigkeiten zu informieren und den  Versuch zu unternehmen, ein regelrechtes digitales Ökosystem aufzubauen, in dessen Zentrum das Smartphone des Nutzers steht. Alles soll von ihm jederzeit und von überall aus erledigt werden können.

Das Aufkommen und stetige Wachstum solcher Systeme hat allein innerhalb der letzten zehn Jahre eine Branche nach der anderen erfasst. Zur Zeit machen die Branchen Elektronik, Reisen, Mode und Videostreaming mehr als achtzig Prozent des Onlinehandels aus. Was wann nachgefragt wird, war für die Anbieter nie zuvor transparenter. Sie können ihre Angebote immer besser auf die Bedürfnisse ihrer Kunden zuschneiden.

In der Wahrnehmung des Nutzers fusionieren all diese Services zu einer einzigen Gesamterfahrung, die sein alltägliches Leben mit völliger Selbstverständlichkeit prägt. Er denkt nicht in Branchen, wenn sich bei ihm ein Bedürfnis einstellt und es darum geht, dieses bestmöglich abzudecken. Er greift zur nächstbesten Möglichkeit, dies zu tun und navigiert im Idealfall reibungslos durch einen perfekt auf ihn zugeschnittenen, sogenannten Service Funnel. Dabei setzen sich die Anbieter durch, die die beste Nutzererfahrung ermöglichen. Einige von ihnen finden sich in der obigen Aufzählung.

Die Erfassung der Automobilbranche

Nachdem die oben genannten Branchen bereits weitgehend abgedeckt sind, ziehen immer mehr der verbleibenden nach. An Ideen mangelt es dabei wahrlich nicht. Bereits vor einiger Zeit schrieb ich über die Möglichkeiten von Autohäusern, Online-Kundenportale zu betreiben. Seitdem hat die Digitalisierung der Automobilbranche alles andere als Stagnation erlebt. Online-Werkstätten bieten jedem Autofahrer ihre Dienste an, als wäre es nie anders gewesen. Seinen Wagen reparieren oder TÜV-gerecht untersuchen zu lassen, ist heutzutage so simpel, wie das Füllen eines Warenkorbs bei Amazon. Selbst die gängige Praxis des Eigentums an einem Fahrzeug wird in Frage gestellt. Volvo bietet mittlerweile die Fahrzeughaltung als Abonnement an, wodurch dem Fahrer alle zeitraubenden Aspekte, wie Anmeldung, Versicherung oder Inspektionen – einschließlich der erwähnten Werkstattbesuche – komplett vom Anbieter dieses Alles-Inklusive-Abos abgenommen werden. Einzig ums Tanken muss man sich dann noch kümmern und dafür gibt es Spritpreis-Apps, die es einem erlauben zu sparen.

Sind Kundenportale für ein Autohaus sinnvoll?

Digitale Öksysteme

Viele von uns sind in unterschiedlichen Communities, Netzwerken oder Portalen im Internet angemeldet.

Wenn ich mir mein eigenes Smartphone anschaue, bin ich auch bei vielen Portalen ständig online bzw. eingeloggt, beispielsweise bei Facebook oder auch bei Amazon. Geht es nicht jedem so: Oft ist es lästig, sich die ganzen Zugänge und Passwörter zu merken. Auf der anderen Seite kann es auch praktisch sein, von den Diensten live über Neuigkeiten informiert zu werden.

Anbieter wie Google oder Amazon versuchen, ein „digitales Ökosystem“ zu schaffen, um den Kunden langfristig an die eigene Plattform und natürlich an die eigenen Produkte und Dienste zu binden.

Kundenportale für Autohäuser?

Könnte das Modell eines solchen Kundenportals auch eine Möglichkeit für Autohäuser und andere Kfz-Unternehmen sein, die Kunden stärker an den Betrieb zu binden?

Warum sollte ein Autofahrer sich in einer (weiteren) Community anmelden, die von einem Autohaus angeboten wird?

Einige Unternehmen bieten bereits eine solche Lösung an, wie etwa der Mercedes-Betrieb Lueg. Über die Website kann man sich im Bereich “Mein Lueg” kostenlos anmelden, dies funktioniert auch mit einem Facebook-Account.

Auch Kia bietet seit neuestem Kunden über die Fahrgestellnummer des eigenen Fahrzeuges einen persönlichen Bereich im Internet mit Informationen zum Auto, den nächsten Inspektionsterminen, Aktionen usw. (hier ein Bericht über dieses Angebot) an.

Aus meiner Sicht funktioniert ein Kundenportal, wenn der Kunde im Mittelpunkt einer solchen Plattform steht und er auch einen gewissen Mehrwert daraus ziehen kann. Diese Punkte sollten dabei sicherlich eine Rolle spielen:

  • Daten zum Fahrzeug sind automatisch hinterlegt und der Fahrer kann auch seine individuellen Daten dort pflegen
  • ein persönlicher Terminkalender zeigt Werkstatttermine und anstehende Termine wie Inspektionen oder HU
  • dem Kunden steht Support zur Verfügung (z.B. Beantwortung von Fragen)
  • das Portal enthält die Möglichkeit zur Fahrzeugsuche und Speicherung von individuellen Suchaufträgen
  • FAQs und Tipps & Tricks zum eigenen Fahrzeug
  • digitale Kundenzeitung/News
  • sonstige Mehrwerte wie Staumelder könnten das Angebot ergänzen.

 

Was kann das Autohaus über diese Plattformen erreichen? Zunächst wird die Website des Betriebes “persönlicher”. Es kann ein dauerhafter Dialog mit den Kunden entstehen. Weitere Vorteile:

  • Die Kommunikation erfolgt zeitunabhängig und losgelöst von realen Öffnungszeiten
  • Kunden können zielgerichtet und mit zu ihnen passenden Informationen und Angeboten angesprochen werden
  • die Kommunikation wird dadurch effizienter für das Autohaus und Kosten für Mailings o.ä. werden eingespart
  • Kundenportale eignen sich in erster Linie für Bestandskunden, aber auch neue Kunden können z.B. mit der Möglichkeit von digitalen Suchaufträgen für Neuwagen für das Autohaus gewonnen werden.

Gibt es externe Lösungen für Autohaus-Kundenportale?

Die Möglichkeit, ein solches Kundenportal im eigenen Unternehmen zu einzurichten, bietet seit kurzem die Agentur 24relations marketing solutions gmbh. Die Plattform “24mycar” kann von jedem Betrieb individualisiert in den bestehenden Web-Auftritt integriert werden.

Der Kunde, der sich dort anmeldet, erhält eine “persönliche Aktionsbühne” mit News, Events, Angeboten, Gutscheinen etc. in seinem geschlossenen Bereich.

Das Autohaus kann im Backend die auf den Kunden zugeschnittene Kommunikation steuern. Das Programm schlägt dabei z.B. Aktionen vor, die zum jeweiligen Nutzer des Portals passen.

Weitere Informationen dazu gibt es auf der Website der Agentur.

 

Digitale Transformation in der Automobilbranche – ein Fitness-Check der Marktplayer

digitale-transformation-automobilbranche

Wie sind die Autohersteller, Autohändler und andere Marktteilnehmer bei der Digitalisierung der Automobilbranche aufgestellt?

Wie verläuft die digitale Transformation in der Branche? Wer wird das Rennen um die Online-Kunden machen?

Diese Fragen sind momentan stark in Bewegung und äußerst spannend zu beobachten. Deshalb möchte ich in diesem Blogbeitrag den Stand der Dinge aufzeigen und an dieser Stelle alles zu diesem Thema sammeln.

Was ist genau mit digitaler Transformation gemeint?

Laut Wikipedia-Eintrag bezeichnet die Digitale Transformation

„einen fortlaufenden, in digitalen Technologien begründeten Veränderungsprozess, der die gesamte Gesellschaft und insbesondere Unternehmen betrifft. Basis der digitalen Transformation sind digitale Technologien, die in einer immer schneller werdenden Folge entwickelt werden und somit den Weg für wieder neue digitale Technologien ebnen.“

Die Zauberworte sind hier also digitale Technologien, Menschen und Unternehmen. Diese sind einem Veränderungsprozess unterworfen. Schaut man sich andere Branchen an, ist dieser Prozess schon in vollem Gange. Amazon hat die Handelslandschaft verändert und bringt immer mehr Menschen dazu, im Netz zu bestellen. Anbieter wie Airbnb  ändern die Hotellandschaft, ohne eigene Zimmer anzubieten, und Uber „ärgert“ die Taxi-Branche, ohne über eine eigene Fahrzeugflotte zu verfügen.

Wo steht die digitale Transformation in der Automobilbranche?

Die Digitalisierung ganzer Branchen kann sich über einen kurzen oder längeren Zeitraum erstrecken. Sicherlich befindet sich die Autobranche derzeit in einer Übergangsphase. Es herrscht noch große Uneinigkeit, ob in der digitalen Welt die Chancen oder Bedrohungen für die Marktteilnehmer überwiegen. Die Autohersteller, Händler und branchenfremde Marktteilnehmer stellen sich mit unterschiedlichen Strategien und mit unterschiedlichem Tempo für die digitale Zukunft auf. Die Frage ist sicherlich nicht mehr, ob man hier mitspielt, sondern wer am schnellsten mitspielt.

Bei den Autoherstellern sind in den letzten Jahren verschiedene Vorstöße z.B. in den Online-Vertrieb von Neuwagen zu sehen. Daimler scheint hier eine Revolution anstoßen zu wollen, wenn man sich die jüngsten Pressemeldungen dazu anschaut. Auch die Autohäuser machen Schritte in Richtung Digitalisierung. Daneben gibt es auch andere Anbieter von außen, die in dieses Geschäft mit einsteigen wollen – Google, Apple, Amazon und externe Anbieter von Online-Portalen für den Vertrieb von Neuwagen und Gebrauchtwagen. Diese fasse ich zu einer Gruppe zusammen.

Hauptreiber in diesen Prozessen sind die Kunden mit ihrem Kaufverhalten, dass sich in den letzten Jahren grundlegend geändert hat (Stichwort „costumer journey“, die ein Voraussagen des Kundenverhaltens immer schwieriger gestaltet), daneben die schnellen technologischen Veränderungen durch (mobile) Geräte wie Smartphones und Tablets.

Man sollte dabei daran denken, dass es bei den Kunden landes- oder kulturtypische Unterschiede gibt. Etwa bei der Bereitschaft, ein Auto direkt im Internet zu kaufen – hier ist ein Kunde z.B. in China eher zu bereit als ein deutscher Käufer, wie unterschiedliche Studien zeigen.

Wohin geht die Reise der Marktplayer in der Automobilbranche?

Ich wollte mir genauer anschauen, wie gut die Marktplayer Hersteller, Handel und branchenfremde Anbieter in Richtung digitale Transformation derzeit aufgestellt sind. Ohne Anspruch auf Vollständigkeit – das Thema kann man unendlich weit vertiefen – versuche ich mich daher an einem „Fitness-Check“ für die Marktteilnehmer. In Anlehnung an eine SWOT-Analyse (keine Angst, das war der letzte wissenschaftliche Begriff) habe ich gesammelt, welche Stärken und Schwächen die Hersteller, Händler und andere Anbieter in Punkto Digitalisierung derzeit haben. Noch spannender finde ich aber welche Chancen und Risiken die digitale Transformation bieten bzw. darstellen.

Ich sehe diesen Beitrag als Möglichkeit, weitere Punkte zum Thema zu sammeln und nehme Ergänzungen und Kommentare natürlich gerne mit auf!

Doch jetzt genauer zu den einzelnen Marktspielern:

Die Automobilhersteller

Stärken

  • Die Hersteller verfügen über leistungsfähige IT-Strukturen (z.B. über Fahrzeug-Konfiguratoren), die ein Abbilden des Online-Kaufprozesses in seinen verschiedenen Stufen ermöglichen.
  • Hinter den Herstellern steht in der Regel eine größere „Marketing-Maschine“, die das Promoten digitaler Kanäle forciert.

Schwächen

  • Ein Hindernis stellt die oftmals festzustellende Schwerfälligkeit von Konzernen dar, Innovationen nach vorne zu bringen oder Entscheidungen in Richtung Digitalisierung zu treffen. Sicher gibt es hier große Unterscheide bei den Automobilherstellern beim Tempo der Umsetzung.
  • Oft hängt dieses Tempo auch von den Köpfen ab, die sich bei den Herstellern für digitale Themen verantwortlich zeichnen. Ist der Entscheider innovationsfreundlich oder eher konservativ eingestellt?

Chancen

  • Vielleicht ist das Internet der zukunftsfähigste Vertriebskanal für die Hersteller. Dies hängt auch entscheidend davon ab, welche Rolle das jeweilige Händlernetz und ie Händlerbetriebe künftig haben sollen.
  • Durch die digitalen Kanäle wird eine stärkere Bindung der Kunden an die Automarke erreicht.
  • Die Bereitschaft der Kunden zum Direktkauf im Netz steigt kontinuierlich, auch wenn es wie weiter oben angedeutet Unterschiede in den verschiedenen Ländern gibt.

Risiken

  • Unklar ist derzeit, wie viele Kunden Neuwagen im Netz kaufen wollen und wie weit der Kunde in diesem Punkt ist. Derzeit wird das Online-Angebot noch von zahlenmäßig wenigen Kunden genutzt.
  • Der Autokauf in Deutschland ist immer noch stark emotional besetzt. Auch wenn sich immer mehr Menschen einen Direktkauf von Autos im Netz vorstellen können, spielt das Erleben eines Fahrzeuges beim Händler noch eine große Rolle.
  • Der Umgang mit Händlerbetrieben wird sich wandeln, Umstrukturierungen von Händlernetzen werden notwendig.
  • Was ist mit Kunden aus der “alten” Welt, die es ja immer noch in großer Zahl geben wird und die nicht sehr online-affin sind? Was passiert mit dem Thema Inzahlungnahmen von Kundenwagen? Lassen sich Rabattverhandlungen online abbilden?
  • Noch ein wichtiger Gesichtspunkt: Die Hersteller könne von schneller agierenden Marktplayern überholt werden. Das Tempo wird zum entscheidenden Faktor.

 

Der Automobilhandel

Stärken

  • Auch wenn dies noch längst nicht alle Autohäuser ausreichend nutzen, haben die Betriebe den Vorteil des regionalen Bezuges und des persönlichen Kontaktes zum Kunden vor Ort.  Diese Vorteile sind auch im Online-Bereich nutzbar, die Möglichkeiten müssen nur genutzt werden. Gute Beispiele von Autohändlern stimmen positiv.
  • Händler, die die Zeichen der Zeit erkannt haben, punkten mit SEO- und für Mobilgeräte optimierten Websites, Darstellung des Fahrzeugbestandes auf der eigenen Seite und der Nutzung weiterer Möglichkeiten des Netzes als Lead-Magnet.

Schwächen

  • In vielen Unternehmen herrscht immer noch wenig Änderungsbereitschaft in Richtung Online. Die Umsetzungsgeschwindigkeit ist gering, meist wird planlos etwas angefangen und nicht zu Ende gedacht.
  • Es gibt immer noch viele Vorbehalte gegenüber dem Online-Business und zu wenig Menschen mit dem richtigen Mindset dafür.
  • Viele Betriebe scheitern schon dabei, im Internet auffindbar zu sein.
  • Eine digitale Ausrichtung geht auch damit einher, dass der Kunde hohe Erwartungen an die ständige Erreichbarkeit des Betriebes hat. Wer diese Herausforderung nicht annimmt, wird es in Zukunft zumindest schwerer haben.

Chancen

  • Die Digitalisierung bietet den Betrieben die Chance zur Differenzierung von den Wettbewerbern im Umfeld. Als digitaler „First Mover“ kann man sich einen Vorsprung gegenüber der Konkurrenz verschaffen.
  • Viele Autohändler haben Angst davor, künftig als reine Auslieferer für die Autohersteller tätig zu sein. Umgekehrt kann man dies auch als Chance für ein neues eigenes Geschäftsmodell sehen, der Verwaltungsaufwand für Neuwagen und Vorführwagen wird geringer oder entfällt. Ob dies so kommen wird, hängt natürlich von den Plänen der Hersteller ab, wie die Händlernetze gestaltet werden sollen.

Risiken

  • Neue Geschäftsmodelle könnten die Rentabilität der Betriebe in Gefahr bringen. Ist das Autohaus z.B. mit einem reinen Neuwagen-Provisonsmodell noch lohnenswert? Bestimmt werden sich nicht alle Autohändler auf dieses Modell einlassen.
  • Die Tatsache, dass man als Probefahrt-Vehikel benutzt wird, aber der Kunde dann online kauft, ist heute vielen Händlern ein Dorn im Auge. Auch hier liegt eine Chance, diese bedingt aber einer klaren und fairen Rollenverteilung zwischen Hersteller und Handel.
  • Die (persönliche) Kundenbindung geht unter Umständen verloren.
  • Die Rolle der Automobil-Verkäufer muss sich ändern. Neue Anforderungen werden an die Verkäufer gestellt, neues Wissen zu digitalen Themen ist notwendig. Die Verkäufer müssen sich selbst immer stärker als Marke inszenieren, um Vertrauen aufzubauen.
  • Noch sind viele Autohausbetriebe in der Falle gefangen, Investitionen in alte Welt tätigen zu müssen anstatt in die Digitalisierung des Unternehmens. Eine fehlende Umverteilung der Ressourcen kann langfristig zum Risiko werden.
  • Und die Hauptgefahr: Das mögliche Verschwinden von Betrieben, die nicht mit den aktuellen Entwicklungen Schritt halten können und aus dem Sichtfeld der Kunden verschwinden, wenn sie online nicht aktiv sind.

 

Branchenfremde Anbieter

Unter branchenfremde Anbieter fasse ich Unternehmen wie Amazon, Apple, Google und die Neuwagen- und Gebrauchtwagenportale zusammen.

Stärken

  • Bei diesen Anbietern sind natürlich hohe IT-Kompetenzen und ein großer Erfahrungsschatz in diesem Bereich vorhanden.
  • Online-Vertriebskanäle sind ausgebaut und werden professionell betrieben.
  • Nicht umsonst versuchen die Autohersteller Mitarbeiter beispielsweise aus dem Silicon Valley abzuwerben, um von deren Erfahrung und Innovationsfähigkeit zu lernen und zu profitieren.
  • Die Unternehmen sind im allgemeinen eher risiko-freudig, kapitalstark und dynamisch, was die Umsetzung neuer Ideen und Besetzung neuer Geschäftsfelder betrifft.
  • Apple und Co. sind bekannte etablierte Marken mit einem großen vorhandenen Kundenkreis.
  • Google etwa profitiert von Technologien, die schon vorhanden sind und selbst entwickelt wurden, Kartenmaterial für die Navigation sei hier als Beispiel genannt.
  • Und natürlich gibt es diese Anbieter nicht erst seit gestern, dementsprechend hoch ist das Know-How.

Schwächen

  • Im Automobilsektor sind einige dieser neuen Player z.T. noch völlig unerfahren.
  • Eine größere Unsicherheit besteht beim Zeithorizont – wann sind die Unternehmen fähig, in der Automobilbranche eine größere Rolle zu spielen?

Chancen

  • Neue Geschäftsfelder und neue Märkte bieten ein enormes Potenzial für die Zukunft.
  • Durch die Nutzung vorhandener Technologien muss ein Großteil der Innovationen nicht von Grund auf neu entwickelt werden.
  • Man ist teilweise “unverbraucht” im Automobilgeschäft – dies kann den Neuaufbau von Online-Strategien auch positiv beeinflussen.

Risiken

  • Da man im Automobilgeschäft (noch) keine Erfahrung hat, könnte dies ein Hindernis bei der Kundenakzeptanz sein.
  • Es besteht die Gefahr, sich in neuen Geschäftsbereichen zu verzetteln.
  • Damit ist auch ein Scheitern dieser Anbieterim Automobilmarkt ist möglich.

 

Und wie geht es  weiter?

Die berühmte Glaskugel hat keiner von uns.

Ich bin auf Meinungen dazu gespannt und freue mich auch auf Ergänzungen zum „Fitness-Check“ der  genannten Marktplayer!

Welche Ergänzungen habt Ihr / haben Sie?

 

Im Folgenden verlinke ich einige Artikel / Blogbeiträge aus dem Bereich „digitale Transformation in der Automobilbranche“ und „Digitalisierung der Automobilbranche“. Auch diese Liste ergänze ich fortlaufend und nehme gerne Vorschläge entgegen.

Die FAZ über den Umbau des Daimler-Konzernes für die Digitalisierung

Blogbeitrag von Derek Finke zur Automobilbranche im Wandel

Zweiter Blogbeitrag von Derek Finke zum Thema

Das Autohaus Magazin über den Start zum bundesweiten Start des Onlinevertriebs von Mercedes 

 

Das zweite Mal – Barcamp Bonn 2016

Zum zweiten Mal fand am letzten Samstag das Barcamp Bonn statt. Ich war auch schon beim Bonner Barcamp im letzten Jahr dabei, hier mehr dazu.

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Hier mein kleiner Rückblick zur diesjährigen Veranstaltung: Ganz gespannt war ich, ob und was es in diesem Jahr Neues geben würde. Nach einer netten Begrüßung im Eingangsbereich wartete auf alle Teilnehmer eine Tüte mit einem kleinen (gesunden) Frühstück – eine schöne Idee. Gegen 9.30 Uhr ging es dann los im großen Konferenzsaal mit einer Vorstellungsrunde und vielen hashtags. Wie im letzten Jahr meldeten sich (schon fast zu) viele Teilnehmer, um eine eigene Session anzubieten. Ein buntes Themenspektrum von ganz unterschiedlichen Menschen, bei denen man aber merkte, dass alle für ihr Thema “brannten”.

Auf dem Sessionboard hatte man wieder die Qual der Wahl – welche Session sollte man besuchen und welche konnte man sausen lassen?

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Also für jede Stunde etwas ausgesucht und los ging es. Zunächst zur Session von Stefan Evertz zum Thema Web- und Social Media Monitoring. Er empfahl den Einsatz der AMPEL-Methode, die für Analytics, Monitoring, Publishing, Engagement und Learning steht. Hier lässt sich weiteres darüber finden inklusive der Präsentation, die er bei der Session zeigte.

Da ich meinen Blog mit WordPress betreibe, war die Session “Q&A zu WordPress” natürlich interessant für mich. Diese Fragestunde wurde angeboten von Phillip Roth, der Beratung zu und Umsetzung von WordPress-Seiten anbietet. In 45 Minuten kann nicht jede Frage zu diesem CMS beantwortet werden, ich habe aber mitgenommen, meine WordPress-Daten und Beiträge öfter mal zu sichern und bekam noch einen guten Tipp, welches Plugin dafür empfehlenswert ist.

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Anschließend hat mich die Session von Pia Drießen (Geld verdienen mit Bloggen) interessiert, die seit einigen Jahren das Blog “dailypia – Bis einer heult” betreibt. Sie berichtete von den Anfängen des Bloggens, als sie ihre Seite noch als tägliches Tagebuch für sich und ihre Familie betrieb. Dies ist auch noch heute so, nur dass sie jetzt mit ihrem Blog auch Geld verdient. Eine sehr sehr lehrreiche und kurzweilige Session, die mich auch motiviert hat, ein wenig mehr Zeit wieder mit dem Bloggen zu verbringen 😉

Nach einer kurzen Mittagspause folgte eine Vorstellung der derzeit stark wachsenden Netzwerk-App “snapchat” durch Mike Schnoor. Nicht unbedingt etwas für mich, da zu verspielt, aber trotzdem spannend, da ich mich vorher noch nicht intensiv mit diesem Netzwerk beschäftigt hatte. Vielleicht etwas für zukünftige Aktivitäten.

Am Nachmittag ging es für mich dann noch um amerikanische TV-Serien (etwas “nerdig”), Einblicke in die Erstellung von youtube-Filmen und zum Schluss um den Einsatz von 3D-Druckern. Für mich ganz neu, was heute mit dem 3D-Druck schon möglich ist, im Gedächtnis ist mir noch folgender Satz gelieben: “Die Chinesen bauen eine Haus in Beton mit einem 3D Drucker in drei Tagen”.

Ebenso wie beim ersten Barcamp gab es viel positives Feedback in der Schlussrunde des Barcamps.

Vielfach wurde der Wunsch geäußert, dass das Barcamp Bonn auch im nächsten Jahr stattfinden soll, und wenn möglich auch über zwei Tage. Ich wäre dafür!

Onlinevertrieb von Autos über die Händlerhomepage?

online einkauf internet auto

 

Seit einiger Zeit bietet der Mercedes- und Smart-Händler Beresa, der im Großraum Münster mehrere Autohaus-Standorte betreibt, die Möglichkeit, Gebrauchtwagen aus dem eigenen Angebot direkt online zu kaufen. (Mehr dazu hier)

Die Gebrauchten des Autohauses lassen sich auf der Unternehmenswebsite über eine Suchmaske nach Marken und anderen Kategorien eingrenzen. Soweit nichts neues. Das Besondere: Bei jedem angezeigten Fahrzeug wird rechts neben den Fotos und Angaben zum Auto der Button “Fahrzeug online kaufen” angezeigt. Ein Klick darauf führt auf ein Online-Bestellformular.

Der Wagen kann vom Kunden abgeholt werden, auf Wunsch liefert Beresa dem Online-Kunden das Fahrzeug aber auch direkt vor die Haustür, das ganze bundesweit. Die Vorteile des Junge Sterne Gebrauchtwagenprogrammes gelten laut Beresa auch für die im Netz gekauften Autos – GW-Garantie, Umtauschrecht und das entsprechende Qualitätssiegel.

Ohne die Angebote von Beresa bzw. Mercedes im Detail bewerten zu können: Ein interessanter und mutiger Ansatz eines Autohauses, in der Online-Vermarktung neue Wege zu gehen! Erste Verkäufe sollen auch bereits über diese Bestellmöglichkeit getätigt worden sein.

Ich stelle mir die Frage, ob die Kunden (und welche) wirklich bereit sind, auf den Button “Fahrzeug online kaufen” zu klicken und das Fahrzeug wie ein Buch bei Amazon direkt im Netz zu bestellen. Und welchen Nutzen hat ein Autohausbetrieb dadurch?

 

Ich sehe einige Vorteile für die Autohäuser und Autokunden:

  • Das Autohaus kann sich mit dem Start eines eigenen Online-Shops als innovatives Unternehmen in einer Vorreiterrolle darstellen. Dies schadet dem Image des Betriebes sicherlich nicht.
  • Durch die gesteigerte Aufmerksamkeit könnte das Angebot als Frequenzbringer für das Fahrzeuggeschäft dienen.
  • Der Dialog mit den Kunden kann zunehmen, da das Interesse bei den Kunden geweckt wird. Auch wenn der Interessent nicht direkt online bestellen will, nimmt er vielleicht Kontakt zum Autohaus auf, um sich weiter zu informieren.
  • Es schadet dem Autohausbetrieb vermutlich nicht, den Online-Direktvertrieb zunächst auszuprobieren und auszutesten, wie die Kundschaft darauf reagiert.
  • Ein bundesweites Angebot steigert natürlich auch das Kundenpotenzial.
  • Die Attraktivität des Angebotes steigt, wenn die Abwicklung für Interessenten leicht ist und mit Gebrauchtwagenprogrammen kombiniert ist, die dem potenziellen Käufer Sicherheit geben. Das Umtauschrecht spielt hier sicherlich auch eine wichtige Rolle.

 

Auf der anderen Seite stelle ich mir auch eine Reihe von Fragen, ob das direkt Online-Geschäft mit Autos (bereits jetzt schon) funktionieren kann:

  • Hat der Käufer genug Vertrauen in das Angebot und den Anbieter? Immerhin kauft man kein Buch oder eine CD, die Hemmschwelle könnte hier höher sein.
  • Gibt es genügend Interessenten, die ein Fahrzeug ohne physisches Erlebnis vor dem Kauf bzw. einer Probefahrt online bestellen? Untersuchungen wie die Cars Online Studie aus dem letzten Jahr zeigen, dass insbesondere deutsche Käufer Wert auf dieses Einkaufserlebnis legen.

 

Ich bin gespannt, wie sich das Angebot entwickeln wird und ob andere Autohäuser nachziehen werden!

 

Ebenso freue ich mich auf weitere Meinungen zum direkten Online-Verkauf von Fahrzeugen.
Wie steht Ihr dazu?

Video-Marketing für Autohäuser mit youtube

 

autohaus video marketing youtube

 

Das Thema Video-Marketing im Autohaus oder in anderen Kfz-Betrieben lässt mich noch nicht ganz los, nachdem ich im vorigen Artikel bereits über die Vorzüge dieses Mediums geschrieben habe.

Warum? Im englischsprachigen (für Automotive-Interessierte sehr empfehlenswerten) Podcast “The Dealer Playbook” von Michael Cirillo und Robert Wiesman beschäftigt sich die aktuelle Folge der Podcast-Reihe genau damit. Als Interviewpartner eingeladen wurde James Wedmore, der sich professionell mit dem Einsatz von Videos im Autohausmarketing, insbesondere auf der Plattform Youtube, beschäftigt und dazu unter anderem Seminare anbietet.

Die Folge dreht sich darum, eine Video-Marketing-Strategie für das eigene Autohaus zu finden, die sich leicht umsetzen lässt und mit der schnelle Erfolge zu erzielen sind.

Was ist der große Vorteil, eigene Videos zum Autohaus zu erstellen und bei Youtube hochzuladen?

Youtube gehört bekanntermaßen zu Google und ist ganz nebenbei bemerkt die weltweit zweitgrößte Suchmaschine, die von Internetusern für die Suche genutzt wird. Bei Youtube aktiv zu sein bringt Vorteile im Ranking bei Google – und bietet sicherlich die Möglichkeit, das eigene Unternehmen von der Konkurrenz abzuheben.

ich habe mal den Test gemacht und zum Beispiel auf Youtube die Suchbegriffe “gebrauchtwagen toyota” eingegeben. Neben Filmen von mobile.de finden sich auch Testfahrten und Gebrauchtwagenpräsentationen von Autohäusern. Im angelsächsischen Raum (“used car toyota”) ist die Trefferzahl schon etwas höher.

Wie geht man strategisch vor?

James Wedmore schlägt für eine Video-Strategie einige grundlegende Schritte vor. Ich habe die Punkte kurz zusammengefasst – natürlich ohne Anspruch auf Vollständigkeit:

  • Zunächst definiert man als Autohausinhaber Suchbegriffe (ähnlich wie bei der Suchmaschinenoptimierung oder bei Adwords-Kampagnen), die zum Betrieb, den Produkten oder einer Verkaufsaktion passen. Sinnvoll ist es, einen Bezug zum Standort und/oder zur Automarke herzustellen. Beispiele: Ford Köln, Gebrauchtwagen Bielefeld etc. Hier muss jeder herausfinden, welche Keywords für das eigene Autohaus gut funktionieren.
  • Die Videos oder Spots sollten nicht zu lange sein, etwa zwischen 30 Sekunden und zwei Minuten. Inhalte gibt es sicher genug – Unternehmensdarstellung, Fahrzeugvorstellungen, Testfahrten usw. Einige Vorschläge dazu finden sich auch in meinem letzten Blogartikel.
  • Man muss nicht zwingend mit teurem Equipment oder mit externen Filmagenturen arbeiten. Oft reichen die Kameras moderner Smartphones aus. Auch dafür gibt es Stative. Für die Videobearbeitung gibt es zahlreiche auch kostenlose Software oder Apps.
  • Wenn die Videos erstellt sind, können Sie bei Youtube hochgeladen werden. Dies ist technisch nicht sehr kompliziert. Wedmore gibt noch einige Tipps, um das spätere Ranking des Videos zu verbessern. Aussagekräftige Titel und Beschreibung des Videos, die die vorher definierten Keywords enthalten, sind entscheidend dafür, wie gut das Video gerankt wird und für wie relevant es durch Google bewertet wird.
  • Genauso wichtig ist aber auch, dass man die Strategie langfristig verfolgt. Wedmore nennt dies “channel authority” – eine längerfristig angelegte Strategie mit eigenem Youtube-Kanal. Durch häufig gepostete Videos, viele Views und kluge Keyword “erkennt” Google mit der Zeit die Relevanz der Videos und rankt diese entsprechend höher.
  • Wie kann man eigene Videos noch bekannter machen und verbreiten? Am einfachsten durch Social Media Kanäle. Die Verbreitung über die Website, ein Blog, die Teilen-Funktion von Facebook oder das Twittern des Video-Links sorgen neben der Bekanntmachung auch wieder für ein besseres Ranking in der Suchmaschine.
  • Wedmore weis noch darauf hin, dass die Botschaft der Videos wichtiger ist als eine Oscar-reife Filmqualität.
  • In Youtube lässt sich auch nachträglich die Auffindbarkeit oder das Ranking der Videos optimieren. Mit den Suchbegriffen oder mit dem Titel lässt sich spielen, oft hilft es auch, den Film nochmals stärker in sozialen Netzen zu bewerben.

Zum Schluss nochmals der Link zur erwähnten Podcast-Folge: http://thedealerplaybook.com/getting-started-video-marketing-strategy-wjames-wedmore/

Kennt Ihr noch gute andere Beispiele für die Nutzung von Video-Kanälen durch Autohäuser?

Blogparade – Was möchte der Autokäufer der Zukunft ?

autokäufer

Meine erste Blogparade

Nach längerer Zeit komme ich wieder mal dazu, einen Blogartikel zu verfassen. Da ich etwas Schwung in die Sache bringen möchte, kam mir die Idee eine Blogparade zu starten. Dies ist meine allererste Blogparade, ich hoffe daher alles richtig zu machen 😉

Welches Thema?

Ein Thema, das mich in der letzten Zeit immer wieder beschäftigt hat und zu dem es aktuell in den Fachmedien einiges zu lesen gibt, ist, wie der Automobilkäufer der Zukunft aussieht bzw. welche Bedürfnisse er hat.

Die spannendsten Ergebnisse dazu zeigt derzeit aus meiner Sicht die vor einigen Tagen veröffentlichte Studie “Cars Online 2014” von Capgemini (mehr dazu hier).

Woanders wird bereits vom Autokäufer 3.0 geprochen. Ist dies schon übertrieben?

In der Untersuchung von Capgemini wird von einer “Generation Connected” gesprochen:

  • Der Kaufprozess von Fahrzeugen und das Suchverhalten der Kunden wird immer digitaler.
  • Soziale Medien beeinflussen das Kaufverhalten – man traut eher der Meinung anderer Konsumenten als Werbeversprechen.
  • Das Interesse, den ganzen Kaufprozess im Internet abzuwickeln, keimt bei den Kunden langsam auf.  Trotzdem ist das Erlebnis einer Probefahrt und das Ausprobieren eines Autos noch sehr entscheidend für den Autokäufer.
  • Der Wunsch nach Mobilität ist bei einigen Gruppen der Untersuchung größer als der Besitz eines Autos. Insgesamt explodiert z.B. das Interesse an Carsharing allerdings auch nicht.
  • Beim Thema Connected Cars interessieren sich die Konsumenten in erster Linie für Sicherheitsfeatures und Serviceleistungen, die durch die Vernetzung möglich gemacht werden.
  • Die Käufer möchten den Dialog mit den Herstellern und Handelsbetrieben, aber alles individualisiert und keine Ansprache “von der Stange”.

Interessant ist bei den Ergebnissen, dass es in Wachstumsmärkten wie China oder Brasilien ein viel größeres Interesse an einem überwiegend digitalen Kaufprozess gibt. 61% der Befragten in China würden ein Auto online kaufen. In Deutschland ist der Wunsch nach mehr Digitalität oder Social Media noch nicht so stark ausgeprägt. Liegt dies an unserer Mentalität, wollen die Käufer dies noch nicht oder liegt es am Einfluss der Hersteller und des Handels?

Wie kann man teilnehmen?

Mich würde die Meinung von anderen Bloggern und Experten sehr interessieren. Dazu lade ich alle zu meiner ersten Blogparade ein:

  • Thema natürlich: Was möchte der Autokäufer der Zukunft ?
  • Start: heute 19.5.2014, Ende am 13.7.2014
  • Diese Blogparade soll in jedem Eurer eigenen Beiträge oder in Kommentaren verlinkt werden.
  • Die Liste der Beiträge werde ich in diesem Post laufend aktualisieren.
  • Ich werde eure Artikel sammeln und nach Ende der Blogparade in einem weiteren Beitrag zusammenfassen.

Ich bin gespannt auf weitere Meinungen! Ich behalte mir nur vor, Beiträge die nicht zum Thema passen, außen vor zu lassen.

UPDATE 22.5.2014
Beitrag von Patrick: http://www.automobilkaufmann.info/2014/05/was-moechte-der-autokaeufer-der-zukunft/

 UPDATE 1.7.2014
Beitrag von der Auto-Diva Nicole Y. Männl: http://auto-diva.de/2014/das-auto-von-morgen-wuensche-der-autokaeufer/

Überholt das Smartphone das Auto als Statussymbol?

smartphone

Das Auto ist immer noch emotional

Wenn man sich derzeit auf der IAA umschaut, wundert man sich über die weit verbreitete Ansicht, dass das Auto eine immer geringere Bedeutung als Statussymbol haben soll.
Die Menschen drängen sich an den Fahrzeugständen der Hersteller, viele Besucher versuchen ein gutes Foto von ihren Lieblingmodellen zu machen.

In der Halle, in der Mercedes seine Modelle vorführt, schaut man in gebannte Gesichter, während die neue S-Klasse über das Podium fährt.

Das Auto soll in Deutschland einen abnehmenden Stellenwert haben? Ein Trend in diese Richtung ist natürlich zu beobachten, allerdings wird es wohl kaum dazu kommen, dass Smartphones oder Tablets das Automobil als Statussymbol überholen oder gänzlich ablösen werden. Zumindest sollte man dieses Thema  differenzierter betrachten. Vielleicht gibt es ja andere Gründe, warum eine bestimmte Gruppe von Menschen sich vom Auto abkehrt?

  • Erstmal sind die Anschaffungskosten für ein Auto in den letzten Jahren deutlich gestiegen. Man muss sich schon zweimal überlegen, ob man sich ein Auto leisten kann. Oder auf die Alternative zu gehen, einen günstigeren Kleinwagen zu kaufen.
  • Ein Auto zu unterhalten, wird immer kostspieliger. Sprit und Unterhaltkosten belasten das Budget der Kunden.
  • Menschen in Städten benötigen nicht unbedingt ein eigenes Auto. Die Mobilität steht im Vordergrund. Das Auto wird als Nutzungsgegenstand gesehen, der die Fortbewegung von A nach B sicherstellt. Die Angebote von Car-Sharing-Unternehmen versuchen in verschiedenen Städten diese Anforderung zu befriedigen.
  • Bei vielen Menschen gibt es ein immer höheres Umweltbewußtsein. Gerade in Städten wird auch mal auf öffentliche Verkehrsmittel umgestiegen.
  • Der Gesundheitsaspekt spielt auch eine Rolle, weshalb das Fahrrad für Stadtbewohner hier wieder ins Spiel kommt.
  • Junge Menschen machen immer später den Führerschein. Grund dafür sind auch hier die Kosten und dass man sich zunächst auf die Ausbildung konzentriert, bevor man an den Autokauf denkt.

Zu bedenken ist auch, dass die Kaufentscheidung für ein Smartphone finanziell nicht so weittragend ist wie die Entscheidung für einen Autokauf.

Der Faktor Mobilität

Für spezielle Kundengruppen ist der Faktor Mobilität entscheidend, unabhängig von Fahrzeugmodellen oder Marken.

Also löst das Smartphone das Auto als Statussymbol ab? Die Wahrheit liegt wohl wieder in der Mitte. Das Auto ist immer noch ein emotionales Produkt und wird es sicher auch künftig bleiben. Aber für eine bestimmte Gruppe von Menschen hat das Auto keinen Wert als Statussymbol, sondern wird als Fortbewegungsmittel gesehen.

Für diese Gruppe können Produkte wie Smartphones einen höheren emotionalen Stellenwert haben.

Aber auch diese Menschen können von den Autoherstellern mit guten Car-Sharing-Angeboten in Kombination mit Mobilitäts-Apps an das Thema Automobil und vielleicht auch an die eigene Marke gebunden werden.

 

Nachtrag 23.9.2013:

Gerne verlinke ich noch auf den Beitrag von Patrick Möltgen zum gleichen Thema: http://www.automobilkaufmann.info/2013/09/blogparade-generation-yolo-smartphone-vs-eigenes-auto/

 

Mercedes nicht begeistert von Kurzfilm

Aktuell verbreitet sich nahezu viral ein Kurzfilm in allen möglichen Kanälen der sozialen Medien. In einer Abschlussarbeit von drei Studenten an der Filmakademie Baden-Würtemberg ist in der Hauptrolle ein Mercedes Benz und das Bremssystem des Fahrzeuges zu sehen.

Am besten mal selbst reinschauen unter diesem Link.

Der schwarze Humor des Filmes gefiel Mercedes nicht. Die Filmemacher mussten deutliche Hinweise nachträglich im Film unterbringen, dass es keine Autorisierung durch Mercedes gibt und dass keinerlei Verbindung zu Mercedes bzw. zur Daimler AG besteht.

Die Haltung von Mercedes muss man natürlich anerkennen und akzeptieren. Aber es zeigt sich wieder, welche Macht und starke Verbreitung Social Media heute haben.

An vielen Stellen wird darüber diskutiert, ob der Film (der ja kein geplanter Werbespot ist) der Marke Mercedes schadet oder ob vielleicht sogar ein postiver Effekt auf das Image der Mercedes-Fahrzeuge davon ausgeht. Die Meinungen schwanken zwischen “geschmacklos” und “super” oder “genial”. Aber auch die Distanzierung von Mercedes zu diesem Film löst Kontroversen aus.

Bin auf Eure/Ihre Meinungen gespannt!