Social Media für freie Werkstätten?

autoservicemarien

Überall wird der Einsatz und der Nutzen von Social Media für Autohäuser diskutiert. Hier stellt sich mir immer die Frage, ob soziale Medien im Internet auch ein Thema für freie Werkstätten (und nicht zu vergessen auch für andere Kfz-Betrieb wie Reifenfachhändler) sein könnten. Gute Beispiele dafür konnte ich bisher im Netz nur (zu) selten finden. Dies wundert mich immer, da die freien Betriebe oft eine besondere Kundennähe in ihrer jeweiligen Region haben und diese sich mit Social Media leicht vertiefen lässt.

Beim „Carcamp“ des ZDK in Mannheim Anfang Oktober 2013 wurde ich auf ein gutes Beispiel für die gezielte Nutzung von Social Media in einer freien Werkstatt aufmerksam: Autoservice Marien aus Putlitz. Den Inhaber Frank Marien konnte ich beim Carcamp nicht persönlich sprechen (es hat sich einfach nicht ergeben), bin aber durch sein interessantes Buchprojekt auf die Werkstatt aufmerksam geworden. Das Buch hatte er kostenlos ausgelegt und ich kam erst zuhause dazu, reinzuschauen. Dazu aber weiter unten mehr.

Es lohnt sich

Die Website der Werkstatt Marien rückt neben den Standards Darstellung der Leistungen, Kontakt und „Über uns“ auch die Social Media-Aktivitäten des Betriebes in den Vordergrund. Oben rechts auf der Seite gibt es Buttons, die auf den Twitter-Kanal, die Facebook-Seite, den eigenen Youtube-Kanal und den RSS-Feed der Werkstatt weiterleiten.

Ein Menüpunkt leitet auf Blog-Beiträge weiter. Im Blog geht es um Neuigkeiten zu Werkstattthemen wie das Reifenlabel, außerdem werden Tipps/Erklärungen zur Fahrzeugtechnik gegeben. Zum Beispiel wird erklärt, warum man auch im Winter die Klimaanlage nutzen sollte.

Über Twitter und Facebook werden aktuelle Meldungen verbreitet.

Auch wenn es verständlich ist, dass viele freie Betriebe nicht über große personelle und zeitliche Kapazitäten verfügen, um sich intensiver mit Social Media beschäftigen können, zeigt mir der Autoservice Marien, dass man mit nicht allzu großem Aufwand trotzdem soziale Medien dazu nutzen kann, Kundennähe zu zeigen, Kundenbindung herzustellen und Vertrauen zu einer freien Werkstatt aufzubauen. Einen (sympatischen) Mehrwert bekommt der Leser der Beiträge des Blogs über die Tipps zur Fahrzeugtechnik.

Verbindung von Offline- und Online-Inhalten

Im Youtube-Kanal der Werkstatt wird ein besonderes Marketingprojekt von Frank Marien in einem kurzen Trailer gezeigt, bei dem sich die Online-Medien wieder mit einem Offline-Medium verbinden – dem oben erwähnten Buch mit dem Titel „Dein Freund die Autowerkstatt“. Darin wird in unaufdringlicher Weise auf die Vor- und Nachteile einer freien Werkstatt gegenüber einer Vertragswerkstatt eingegangen. Das Buch gibt es auch als ebook über Amazon oder als freien Download.

Ausgelöst durch positives Feedback seiner Kunden und einiger Amazon-Rezensionen bietet Frank Marien es anderen Werkstätten in personalisierter Form auch als Marketinginstrument an.

weitere Links zum Thema

Gerne geben ich hier die Links weiter, die Frank Marien mir zu seinen Aktivitäten geschickt hat.

Der Videotrailer zum Buch: http://youtu.be/pV5hX4UGVjA

Das Buch hier zum Download: http://goo.gl/U3ZnnC

Infos zum Lizenz-Konzept: http://asm-concept.com

 

Nachbetrachtung 2. Mannheimer Carcamp – Social Media im Kfz-Betrieb

carcamp2013

Am 11. Oktober 2013 fand in den Räumlichkeiten von Fuchs Schmierstoffe zum zweiten Mal das Mannheimer Carcamp  statt, bei dem sich alles um das Thema Social Media im Kfz-Betrieb drehte. Initiiert wurde die Veranstaltung vom ZDK.

Rund 60 Teilnehmer mit unterschiedlichem Background nahmen teil – Berater, Blogger, am Thema interessierte Vertreter aus Autohäusern und freien Werkstätten und Journalisten.

Als Veranstaltungsformat wurde das sogenannte Barcamp gewählt, bei dem nur ein generelles Oberthema feststeht und die einzelnen Sessioninhalte erst vor Ort von den Teilnehmern festgelegt werden. Das schöne daran ist, dass sich jeder aktiv mit einem Referat, Vortrag oder einer Diskussionsrunde beteiligen kann, auch ohne große Vorbereitung. Die Sessions werden auf einem Grid eingetragen und jeder kann für die sich interessante Sessions auswählen. Ein kleiner Nachteil ist, dass einige Sessions parallel laufen und man die Qual der Wahl hat. So passte in meinen Terminplan leider auch nicht die von Fuchs angebotene Werksführung.

Für mich war es das erste Barcamp – ein erfrischendes Format, das zum Austausch und zu Diskussionen anregt. Man konnte auf diese Weise Social Media von unterschiedlichen Perspektiven aus betrachten. In den professionell ausgestatteten Seminarräumen konnte man sofort in kleinen oder größeren Gruppen durchstarten.

Einige Kontakte kannte ich vorher nur über Online-Kanäle und über das Bloggen und hatte nun Gelegenheit, sie „live“ zu treffen. @derekfinke  @skodaportal

Nach der Begrüßung durch Claudia Weiler vom ZDK und den Gastgeber Fuchs Schmierstoffe ging es auch schon los.

Session-Themen

Die Themen der Sessions waren vielfältig. Ich gebe hier einen kurzen Überblick. Da ich nicht alle Sessions besuchen konnte, kann ich nicht zu allen Themen ausführlicher berichten.

  • Ich selbst habe ein Konzept vorgestellt, wie man als Kfz-Betrieb (unabhängig ob Autohaus oder Werkstatt) eine Strategie bzw. ein Konzept für die eigenen Aktivitäten in Social Media aufbaut. Kurz gesagt sollte man nicht damit beginnen, sich mit den Online-Kanälen zu beschäftigen, sondern zunächst seine Ziele/Zielgruppen festelegen und anschließend einen Plan für die konkrete Ausgestaltung und die Umsetzung im Betrieb erstellen (Inhalte, Ressourcen).
  • Social Media Monitoring: Hier gab es eine kurze Einführung, welche vielfältigen Möglichkeiten es gibt, Social Media Kanäle zu monitoren. Angefangen vom einfachen Google Alert bis hin zur High-End Lösung, die mit (teueren) Software-Paketen gefahren wird.
  • Social Media aus der Praxis für die Praxis: In einer kleinen Gruppe wurde diskutiert, welche Bedeutung soziale Medien für Autohäsuer und Werkstätten haben. Oft scheitern die Aktivitäten am geringen Zeitbudget der Inhaber oder Verantwortlichen im Betrieb. Die Frage nach dem „was bringen mir Social Media“ kann man nicht so einfach beantworten. Im Grunde muss man bei jeder Marketingaktion auf Erfolge hoffen und diese so gut es geht messbar machen. Was einem Betrieb das Verteilen von Flyern „bringt“, ist ja ähnlich schwer zu beantworten.
  • Die Session „Social Media Kickstart“ ging in die Richtung meiner eigenen Session. Als entscheidend herausgestellt wurde auch hier, dass man für Social Media ein Konzept benötigt und sich zunächst mit den eigenen Zielen auseinandersetzen muss. Die Wahl der Social Media Kanäle sollte nach der Zielgruppe ausgerichtet sein.
  • Am späten Nachmittag konnte man noch einen Eindruck gewinnen, wie die Marke Mercedes an soziale Medien im Internet herangeht. Erfreulich fand ich, dass Mercedes für den Handel ein großes Social Media-Paket für die Betriebe geschnürt hat. Ohne in die Freiheit bei der Gestaltung z.B. von Facebookseiten der Mercedes-Betriebe einzugreifen, bietet Mercedes den Partnern kostenfreie Module, die sich mit wenigen Klicks in die eigene Seite integrieren lassen.

Die weiteren Themen, zu denen ich inhaltlich nichts weiter sagen kann:

  • Datenschutz – (k)ein Recht für Facebook?
  • Bloggen
  • Cyberwar/Überwachung durch die NSA
  • Was ist ein Barcamp?
  • Azubi-Marketing über Social Media
  • Die Rolle von Bewertungsplattformen für Kfz-Betriebe
  • Crowdsourcing
  • Best Practice Social Media
  • Ersetzen Social Media-Kanäle die Corporate Website?
  • Freie Werkstätten in Social Media

Zu einigen Sessions können die Slides auf der Seite der Carcamp-Community heruntergeladen werden. Ein gute Sache, da man nicht alle Sessions gleichzeitig besuchen konnte. Fotos sind auch bereits dort einsehbar.

Was bleibt?

Insgesamt gesehen zogen die Teilnehmer – mich eingeschlossen – ein sehr positives Fazit. Der rege Austausch und die Diskussionsmöglichkeiten und viele neue Kontakte zählen für mich neben der sehr gute Organisation zu den Pluspunkten.
Aus meiner Sicht ist ein Tag zu kurz, vertiefen könnte man die Themen besser, wenn das Carcamp über zwei Tage gehen würde. Schade auch, dass die Autohäuser, Werkstätten und Automobilhersteller nicht sehr stark vertreten waren.

Im Bereich Social Media steckt für die Branche noch viel Potenzial, aber auch noch viel Arbeit vor den Betrieben.